Universität Innsbruck – Mitbestimmung der Studierenden immer weiter eingeschränkt.

Universität Innsbruck – Mitbestimmung der Studierenden immer weiter eingeschränkt.

Die Mitbestimmung und Mitgestaltung der Studierenden an der Leopold Franzens Universität Innsbruck wird immer weiter eingeschränkt. So gibt es in der gegenwärtigen universitären Realität, die vom passiven Auswendiglernen und sturem ECTS-Punkte Sammeln bestimmt ist, kaum mehr Möglichkeiten für Student_innen, sich selbstständig, emanzipatorisch und kritisch mit Wissen innerhalb von Universität auseinanderzusetzen. Die ursprüngliche Aufgabe der Universität, kritische Wissenschaft zu betreiben und die bestehenden verfestigten Strukturen, Systeme und Hierarchien zu hinterfragen, sichtbar zu machen und neu zu gestalten, ist dadurch gefährdet. Mittlerweile sind alle Errungenschaften, der letzten Student_innenbewegung, wieder zunichte gemacht worden.

Im Oktober 2009 wurden im Zuge der #unibrennt-Bewegung an mehreren österreichischen Universitäten Hörsäle besetzt, um auf die Missstände an der Universität aufmerksam zu machen. Die Forderung, die Erhöhung des Bildungsbudgets, mehr Mitspracherecht für Studierende und einen freien Hochschulzugang.
In Innsbruck konnten durch die zweimonatige Besetzung der Sowi-Aula einige Forderungen durchgesetzt werden. Die Studierenden erhielten einen selbstverwalteten Raum im Geiwi-Turm sowie ein Budget für das Organisieren von Lehrveranstaltungen und somit im Rahmen der Kritischen Uni die Möglichkeit, unmittelbar und mit einer gewissen Autonomie Einfluss auf das Lehrveranstaltungsangebot der Universität zu nehmen.

Seit dieser Zeit wurden diese Errungenschaften systematisch revidiert. Nachdem schon im Frühjahr 2015 der selbstverwaltete Raum geschlossen wurde, ist nun auch durch einen Beschluss des Vizerektorats für Lehre und Studierende das Budget der Kritischen Uni ist gestrichen worden. Somit wurde der Kritischen Uni jegliche Grundlage für die von Studierenden aktiv mitgestalteten Lehrveranstaltungen zur Förderung von gesellschafts- und wissenschaftskritischer Lehre entzogen. (Mehr Informationen zur Kritischen Uni unter http://www.kritischeuni.at/)

Das alles sind Symptome eines größeren Problems: Die Einschränkung der Mitbestimmung von Studierenden und der Ausbau undemokratischer und autoritärer Strukturen. Zudem wird von Seiten der Politik zu wenig Geld für Bildung bereitgestellt und die Universität selbst kürzt oft an den falschen Stellen – sehr zum Leidwesen der Studierenden.

Daher fordern wir:

Mehr Einfluss für Studierende auf den Inhalt ihres Studiums
· Lehrveranstaltungen, welche von Studierenden mitgestaltet werden

· Mehr Mitsprache bei den Curricula

· Studierende sollten die Möglichkeit haben, stärker individuelle Schwerpunkte zu setzen. In vielen Studiengängen stehen lediglich 10 ECTS im Rahmen von „Interdisziplinären Kompetenzen“ oder „Außerfachlichen Kompetenzen“ zur Verfügung

Budget um eigenständig Lehrveranstaltungen zu organisieren

· Studierende haben somit direkten Einfluss auf das Lehrangebot der Universität

· Jung-Wissenschaftler_innen, die keine fixe Anstellung haben, erhalten die Möglichkeit Erfahrungen zu sammeln

· Fehlende Thematiken können an die Universität geholt werden

· Lehrveranstaltungs-Bedürfnisse der Studierenden können berücksichtigt werden

· Es kann flexibel auf aktuelle gesellschaftliche, politische, soziale und wissenschaftliche Gegebenheiten eingegangen werden

Ausbau des räumlichen Angebots für Studierende und deren Organisationen
· Vorhandene Räumlichkeiten der Universität Innsbruck müssen den gesetzlichen Bestimmungen zur Barrierefreiheit genügen und sollen dementsprechend adaptiert werden

· Die Universität ist verpflichtet, den Studierendenvertretungen entsprechende Räumlichkeiten zur Durchführung ihrer Aufgaben zur Verfügung zu stellen. Diese sollen in ausreichender Zahl und Größe angeboten werden

· Darüber hinaus sollen auch Räumlichkeiten für Studierendeninitiativen, die in keinem direkten Zusammenhang mit der ÖH stehen, zur Verfügung gestellt werden und von den Studierenden selbstverwaltet organisiert werden können

Drittel-Parität in den Kommissionen wieder einführen
· Eine Rückkehr zur Drittelparität in allen Kommissionen der Uni Innsbruck, insbesondere des Senats und der Berufungskommissionen

Ausfinanzierung des Hochschulsektors
· Koordinierter Einsatz von Universität und Studierendenvertretung der Uni Innsbruck zur Einforderung der versprochenen Zuweisung von 2% des BIPs

Unterstütze uns und mach mit! Unterzeichne die OnlinePetition, leite sie an Kommiliton_innen, Kolleg_innen und Interessierte weiter und gestalte die Universität aktiv mit!
https://www.openpetition.de/petition/online/rettet-die-kritische-universitaet-innsbruck

weitere Informationen:
Homepage: http://www.kritischeuni.at
Artikel: http://provinnsbruck.at/allgemein/unibrennt-ausgebrannt-geiwimax-ist-weg/
http://www.gaismair-gesellschaft.at/images/icons/2011_M._HASELWANTER_Die_Uni_brennt.pdf
Unibrennt-Bewegung: http://unsereuni.at & http://unibrennt.at
Radiobeitrag: https://cba.fro.at/315649 & https://cba.fro.at/318646

Mit freundlichen Grüßen,
die Vertreter_innen der Kritischen Uni Innsbruck

Mar_ry Anegg, Anna-Sophia Bahl, Andreas Fink, Sarah Milena Rendel, Manuel Rotter und Anisa Lucia Schlichtling

wessen Uni? unsere Uni!

Vortrag “Ökonomie der Verschuldung – Privatisierung und Universität”

Sehr geehrte, liebe Studierende,
wir würden Sie gerne zu einer besonderen Veranstaltung einladen, die im Rahmen unseres Euregio-Mobility-Projektes “The Debt Complex” und unserer gleichnamigen Ringvorlesung stattfinden wird.

Am Dienstag, 21. Juni 2016 wird Maurizio Lazzarato (Paris) einen Vortrag mit dem Titel “Ökonomie der Verschuldung – Privatisierung und Universität” halten. Beginn ist 18 Uhr c.t. in der Aula.

Maurizio Lazzarato ist Soziologe und Philosoph. Er lebt und arbeitet in Paris, wo er zu immaterieller Arbeit, neoliberaler Schuldenökonomie, kognitivem Kapitalismus und „postsozialistischen“ Bewegungen forscht. Zuletzt sind seine Essays La fabrique de l’homme endetté : Essai sur la condition néolibérale (2011; dt. Die Fabrik des verschuldeten Menschen: Ein Essay über das neoliberale Leben) und Gouverner par la dette (2014; engl. Governing by Debt) erschienen. Gemeinsam mit der Gruppe Knobotic Research entwickelte er für die Biennale in Venedig das Projekt „IO_dencies / Immaterielle Arbeit“, mit Angela Melitopoulos produziert er Videoinstallationen. Zuletzt beschäftigte sich Maurizio Lazzarato mit verschiedenen Ausformungen der prekären Arbeit.

Über Ihr Kommen würden wir uns sehr freuen.

Vortrag & Diskussion: KRIEGSGEBIET – Unterdrückung und Revolution in Kurdistan

mit Gamze Eren vom Demokratischen Gesellschaftszentrum der Kurd_innen Innsbruck.

Am 16. März 2016 um 19:00 Uhr im HS3 GeiWi Innsbruck (Innrain 52)

Bildschirmfoto 2016-03-04 um 15.19.05

Die Kurd_innen drohen oft in ihrer Geschichte in Vergessenheit zu geraten – sobald sie ins Rampenlicht treten, liegt stets Unheil über den kurdischen Gebieten – so wie heute, könnte eins meinen.
Die Befreiung der umkämpften Stadt Kobanê an der türkisch-syrische Grenze begleitet die Entwicklung eines autonomen, basisdemokratischen, geschlechtergerechten und ökologischen Gesellschaftskonzepts in Teilen Kurdistans. Die kurdische Befreiungsbewegung bietet ein Modell jenseits von Islamismus, Terror und Staat – den demokratischen Konföderalismus.
Jegliche Forderungen nach mehr Selbstbestimmung werden jedoch im Keim erstickt, die Ausgangssperren in den kurdischen Städten der Türkei, die Belagerung mit etlichen Panzern sowie Soldat_innen und die brutale Vorgehensweise der türkischen Sicherheitskräfte forderten bis heute mindestens 224 Zivilist_innen das Leben, darunter auch Kleinkinder. Seit den Neuwahlen in der Türkei am 1. November 2015, die dem Machterhalt der AKP und Erdogan dienten, macht sich aufgrund der kriegerischen Politik eine Art Pogromstimmung unter der türkischen Mehrheitsbevölkerung breit und schürt nationalistische Reflexe. So spielt sich das Leben der Kurd_innen zwischen Unterdrückung und Revolution ab.

LVs der kritischen Uni im SoSe 2016

Gemeinschaft, Land(raub) und Widerstand gegen den Kapitalismus

Stefanie Knoll

Lernergebnis:
Ziel der Lehrveranstaltung ist die Diskussion der Frage wie sich Gemeinschaft im Rahmen der kapitalistischen Gesellschaft zeigt. Dabei wird konkretisiert, inwieweit der Kapitalismus erst durch die Zerstörung unterschiedlicher Gemeinschaftsformen sowie den Raub von Land entstehen konnte. In Wechselwirkung zu diesem kapitalistischen Voranschreiten werden verschiedene Formen des Widerstandes, die ihrerseits für die Beibehaltung gemeinschaftlicher Formen eintreten, vom Mittelalter bis heute betrachtet und in der Lehrveranstaltung mit Bezug zur Gegenwart und Tirol diskutiert.

Inhalt:
Das wöchentlich stattfindende Seminar wird sich zuerst theoretisch mit dem Begriff Gemeinschaft beschäftigen, wie sich dieser im Laufe des Kapitalismus verändert hat, und wird dann historisch verschiedene Gemeinschaften kennenlernen und diskutieren, die sich seit dem Aufkommen des Kapitalismus kritisch dagegen organisiert haben. Dabei werden in erster Linie progressive soziale Bewegungen betrachtet und deren Kämpfe um Land, wie etwa die Aufstände in England gegen den Verlust der Almende der Landbevölkerung, der Widerstand der Arbeiter_innen gegen die Machinisierung der Arbeit, die Pariser Kommune von 1871, die Spanische Revolution von 1936, die 68er Bewegungen, sowie die neue sozialen Bewegungen von den Zapatistas zur Antiglobalisierungsbewegung bis zu Occupy und aktuelle Gegenkulturen wie guerilla gardening.

Nach einer theoretischen Einführung in den ersten Lehrveranstaltungen, werden die darauffolgenden Themen von den Studierenden gewählt. Darüber kann in der ersten Einheit abgestimmt werden.

Emanzipationstheater

Theorin Julian Oess
Anisa Lucia Schlichtling

Lernergebnis:
Das Ziel der Lehrveranstaltung ist die Entwicklung und Umsetzung eines gesellschaftskritischen Theaterstücks.
Neben der Auseinandersetzung mit dramaturgischen Grundlagen sowie theoretischen Grundlagen der kritischen Theorie, sollen im Rahmen dieses Prozesses neue Perspektiven und Handlungsräume in Bezug auf ein gesellschaftspolitisches Thema ergründet und szenisch erprobt werden. Ziel ist es, Widersprüche innerhalb der Gesellschaft anhand eigener Erfahrungen, sowie der Lektüre ausgewählter Texte zu erforschen und in Szenen darzustellen. Durch die szenische Umsetzung wird ein Raum geschaffen, in dem sich die AkteurInnen auf küntlerisch-spielerische Weise auch mit ihrere eigenen Position kritisch auseinadersetzen können und so alternative Möglichkeiten des Spielens und Handelns erschließen können.

Inhalt:
In Anlehnung an Augusto Boals Theater der Unterdrückten nutzen wir das Theaterspiel als Mittel der Emanzipation und Befreiung. Auf Basis der theoretischen Auseinandersetzung mit kritischen Theorien zu Machtverhältnissen, Beschleunigung und Entfremdung, Sexualität, Spontanität, Flexibilität und Identität werden wir fiktive Rollen und Theaterszenen entwerfen. Im Laufe der Drehbuchentwicklung und Inszenierung wollen wir versuchen spielerisch neue Handlungsräume zu ergründen, welche die konflikthaften Wirkungsdynamiken durchbrechen. Im Rahmen dieses angeleiteten Prozesses werden SeminarteilnehmerInnen sich sowohl mit kritischen Texten beschäftigen, als auch ein eigenes Drehbuch schreiben sowie eigene Rollen inszenieren und spielen, so dass am Ende ein kurzes Theaterstück oder eine kritische Performance entsteht. Es werden keine Kenntnisse vorausgesetzt, lediglich die Bereitschaft sich auf den kreativen Prozess einzulassen.

Vortrag: POPULISMUS?

Zur Kritik eines Begriffs – und was trotzdem zu tun ist

Freitag, 29. Jänner 2016
20 Uhr
HS 2 GeiWi Innrain 52 6020 Innsbruck

Strache und Le Pen, aber auch Chavéz und Lafontaine – der Begriff des Populismus muss herhalten, um die unterschiedlichsten Phänomene zu fassen. Auch die Populismusforschung stellt verschiedenste sachliche, geographische und historische Bezüge her. Gleichzeitig berühren die diversen „Theorien des Populismus“ zentrale Fragen von Politik, Demokratie und Macht.

Der Terminus scheint sich einer zufriedenstellenden Definition zu entziehen, weist zugleich große Schwachstellen auf. Was ist demnach Populismus? Was kennzeichnet die populistische Rechte und vor allem, wie ist ihr zu begegnen?

Vortrag & Diskussion mit Julian Zöschg
Studium der Politikwissenschaft in Wien und Innsbruck