LVs der Kritischen Uni im SoSe 2013

(Zeiten und Orte im LV-Verzeichnis der Universität Innsbruck. Nicht-Studierende sind auch ohne vorige Anmeldung über LFU:online willkommen.)

Intersektionalität in den kritischen Human-Animal Studies. Mensch-Tier-Verhältnisse im Kontext von zwischenmenschlichen Gesellschaftsverhältnissen

(Andre Gamerschlag, Hannover)

In diesem Seminar werden das Paradigma Intersektionalität und das Forschungsfeld Human‐
Animal Studies vorgestellt. Anschließend soll vermittelt werden, auf welche vielfältigen Weisen
Mensch‐Tier‐Verhältnisse mit Prinzipien wie Kapitalismus oder Phänomenen wie Rassismus und
Sexismus verbunden und daher auch für menschenbezogene Forschung relevant sind.

Der aus dem black feminism und den gender studies stammende Begriff „Intersektionalität“
wurde als Metapher für die Dreifachbenachteiligung schwarzer Frauen durch Rassismus, Sexismus
und Klassismus geschaffen, beschreibt inzwischen aber allgemein Forschungen, die mehrere Formen sozialer Ungleichheit und kultureller Differenz in Zusammenhang zueinander analysieren. Etwa die Frage, wie Rassismus und Sexismus sich gegenseitig begünstigen können und miteinander in Verbindung stehen. Die Human‐Animal Studies sind ein im deutschsprachigen Raum junges Forschungsfeld, welches sich überwiegend mit kulturellen und sozialen Aspekten von – eigentlich als biologisch angesehenen – Mensch‐Tier‐Verhältnissen befasst. Kritische HAS sehen Mensch‐Tier‐Verhältnisse als gesellschaftliche Gewalt‐ und Ausbeutungsverhältnisse an und wollen diese hin zur Gewaltfreiheit verändern.

Im Seminar soll eine intersektionelle Perspektive auf Mensch‐Tier‐Verhältnisse eingenommen werden, um Verbindungspunkte zu anderen Formen von Ungleichheit und Differenz auszuloten: Wie begünstigt Speziesismus (Artchauvinismus) auch Rassismus und Sexismus? Was hat intrahumane Gewalt mit Tierausbeutung zu tun? Was hat Fleischkonsum mit der Konstruktion von Männlichkeit zu tun? Wie ist Tierausbeutung im Kapitalismus eingebettet und warum wird sie deshalb zusätzlich verfestigt? Welche Mechanismen sind allen Formen der Benachteiligung und Diskriminierung gemeinsam – auch der gegenüber andere Arten? Wo überschneiden sich soziale Bewegungen in ihren Befreiungsbestrebungen?

Das Seminar ist in drei Teile gegliedert. Teil I bildet eine Einführung in HAS und Intersektionalität. Teil II ist eine Einführung in intersektionelle HAS. Teil III behandelt einzelne Beispiele für Intersektionen: Kapitalistische Mensch‐Tier‐Verhältnisse, Intersektionen durch sozialkonstruktivistische und dekonstruktivistische Perspektiven, Gender Studies und HAS, Rassismusforschung und HAS. Die Inhalte werden möglichst einfach vermittelt. Vorwissen ist zwar hilfreich, jedoch nicht notwendig. Interesse an gesellschaftlichen Fragestellungen, aktive Teilnahme und Teilnahme an der Auftaktveranstaltung werden vorausgesetzt. Der Seminarreader wird über Olat zu Semesterbeginn zur Verfügung gestellt.

Kapitalismuskritik im 21. Jahrhundert – Einführung in die Kritik der Politischen Ökonomie

(Elmar Flatschart, Wien)

Allgemein‐didaktisches Ziel der LV ist es, den Studierenden die Arbeit mit inhaltlich anspruchsvollen Texten näherzubringen. Die Auseinandersetzung mit dem Thema verfolgt überdies das ideengeschichtliche Ziel einer rekonstruktiven Annäherung an den ursprünglichen Korpus der Kritik der Politischen Ökonomie. Dabei soll inhaltlich auch aktueller Theorie‐ und Analysearbeit in jenem Feld zugearbeitet werden. Methodisches Ziel ist es, die selbstständige Aufarbeitung komplexer theoretischer Materialien in Kleingruppen zu üben.

Spätestens seit der sogenannten „Finanzkrise“ ist es wieder en vogue, über„Kapitalismuskritik“ zu sprechen. Sowohl der Feuilleton-Teil jeder besseren bürgerlichen Zeitung, als auch ein inzwischen beträchtliches Sammelsurium mehr oder (meistens) weniger qualitätsvoller „Sachbücher“ beschäftigt sich mit einschlägigen Abhandlungen zum Kapitalismus auf eine meist bestenfalls populärwissenschaftliche Weise. Vergessen ist, dass das Wort „Kapitalismus“ ungefähr seit dem Zusammenbruch des Realsozialismus und mindestens bis hinein in die 2000er Jahre kaum in den Mund genommen werden durfte, wollte sich ein/e AutorIn nicht vollständig diskreditieren. Ebenso bleibt unklar, was unter „Kapitalismus“ eigentlich zu verstehen ist, was wohl das größte Manko der gegenwärtigen Debatte bis hinein in die „Linke“ ist. Diese letzte Frage möglichst gründlich – das heißt vor allem: theoretisch versiert – zu beantworten ist Ziel der Lehrveranstaltung.

Von der Kunst, ein Bild zu betrachten, oder: Wozu und zu welchem Ende studiert man ein Fach der Geisteswissenschaften?

(Maximiliane Buchner, Innsbruck)

Ausgehend von kunsthistorischen Inhalten und Arbeitstechniken sollen grundsätzliche Überlegungen zu Ziel und Zweck kultureller Errungenschaften und der Beschäftigung damit angestellt werden. Ziel der Lehrveranstaltung ist es, ein interdisziplinär ausgerichtetes, geisteswissenschaftliches Selbstverständnis zu entwickeln. Der exponierten, performativen Sprache zur Überwindung der „Grenzen unserer Welt“ soll dabei besondere Aufmerksamkeit zukommen.

Das Fach Kunstgeschichte beobachtet, untersucht und hinterfragt die Entwicklung unserer westlichen Kultur und öffnet als Vehikel der Geisteswissenschaften den Blick in höhere Ebenen des Daseins, die den Alltag des Menschen sublimieren und ihn die Bedeutung der Dinge jenseits des unbedingt Notwendigen erahnen lassen. Über die Sprache lassen sich diese Inhalte transportieren und das Gebaute, Gemalte, Geformte begreifbar werden.
Ausgehend von diesen beiden Grundelementen des kulturellen Bewusstseins – der Kunst und der Sprache – soll eine interdisziplinäre Auseinandersetzung mit den Grundsätzen geisteswissenschaftlichen Denkens erfolgen. Dabei sollen Artefakte verschiedener Epochen im Kontext ihrer Entstehungszeit betrachtet und mithilfe des Transportmittels Sprache vermittelt werden.

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