Stefan Gandler – Ansätze einer Kritischen Theorie in Lateinamerika

Vortrag: „Ansätze einer Kritischen Theorie in Lateinamerika“
Stefan Gandler
Universidad Autónoma de Querétaro/Universidad Nacional Autónoma de México

Ausgehend von der Einsicht, dass die Kritische Theorie der Gesellschaft (Horkheimer, Marcuse, Benjamin, Neumann, Kirchheimer, Adorno) im allgemeinen den Teil der Welt vor Augen hatte, der heute ideologisch „erste Welt“ genannt wird, und in Anbetracht der Tatsache, dass dieser Teil der Welt nur den geringsten Anteil der Weltbevölkerung ausmacht, ist es darum zu tun, eine kritische Theorie für die „Restwelt“ zu entwickeln. Ansätze dazu sind z.b. im Werk des ecuadorianisch-mexikanischen Sozialphilosophen Bolívar Echeverría zu finden.
Um die tiefsten Fundamente der kulturellen Mestizaje und zugleich ihre Auswirkungen in Abgrenzung zu den Gesellschaften, wo sie nicht existiert, zu untersuchen, entwickelt Echeverría den Begriff des historischen Ethos. Dieser von Bolívar Echeverría eingeführte Begriff geht in seiner inhaltlichen Bestimmung von realen Subsumtion der Gebrauchswertproduktion unter die Wertproduktion aus. In letzter Instanz tendiert die kapitalistische Produktionsweise dazu, alle Gebrauchswerte zu zerstören, ihrer destruktiven Logik zu opfern, d.h. die kapitalistische Form der gesellschaftlichen Reproduktion macht das Leben der Menschen in ihr tendenziell unlebbar.
Bolívar Echeverría unterscheidet in der Gegenwart vier grundlegenden Formen „das Unlebbare“ zu leben: das realistische Ethos, das romantische Ethos, das klassische Ethos und das barocke Ethos. „Im Prinzip gibt es also vier verschiedene Möglichkeiten, die sich anbieten, die Welt innerhalb des Kapitalismus zu leben. Jede von ihnen impliziert eine besondere Haltung gegenüber der die kapitalistische Realität darstellenden widersprüchlichen Tatsache – sei es eine anerkennende oder nicht-anerkennende, sei es eine distanzierte oder teilhabende.“ Echeverría geht davon aus, dass heute das realistische Ethos das weltweit vorherrschende ist. Allerdings gibt es, aufgrund unterschiedlicher historischen Voraussetzungen in verschiedenen Gegenden der Erde jeweils eigene Formen der Koexistenz bestimmter anderer historischer Ethen mit dem realistischen. Während das realistische Ethos in den Ländern Mittel- und Nordeuropas und den USA relativ unbestritten vorherrscht, besteht nach Echeverría in Lateinamerika, insbesondere Mexiko eine unübersehbare Koexistenz des barocken mit dem realistischen Ethos. Dieses barocke Ethos, das aus der Perspektive der Länder des realistischen Ethos, vormodern, überholt und nur ein Rest alter Gesellschaften ist, ist aus Echeverrías Perspektive eines unter den vier gegenwärtig bestehenden modernen Ethen. Von seinem Verständnis könnte die Möglichkeit ausgehen, Ansätze einer Kritischen Theorie in Lateinamerika zu entwickeln.

1: Bolívar Echeverría, “El Ethos Barroco”. In: B.E. (Hrsg.), Modernidad, mestizaje cultural y ethos barroco. México, UNAM/ El Equilibrista, S. 13-36, hier: S. 19.

LV der Kritischen Uni im SoSe 2015

(Zeiten und Orte im LV-Verzeichnis der Universität Innsbruck. Nicht-Studierende sind auch ohne vorige Anmeldung über LFU:online willkommen.)

Decolonizing Gender & Sexuality, Queering Race: Postkolonial-queere Perspektiven auf Verschränkungen von Sexualitäts-, Geschlechter- und Rassekonstruktionen

(Christine Klapeer)

Jede/r auf der Welt hat angeblich ein und nur ein Geschlecht, er/sie ist entweder ‚weiblich‘ oder ‚männlich‘. Geschlecht und Hetero/Sexualität erscheinen im Rahmen einer unhinterfragten ‚Alltagstheorie der Zweigeschlechtlichkeit‘ als statische, ’natürliche‘, kulturübergreifende und transhistorische Eigenschaften von Individuen. In der LV wollen wir diese ‚heteronormative Alltagstheorie der Zweigeschlechtlichkeit‘ auf Basis unterschiedlicher Zugänge kritisch in den Blick nehmen und im Rahmen einer transnationalen, rassismus- und eurozentrismuskritischen Perspektive nach Konstruktionsprozessen von Geschlecht und Hetero-/Sexualität fragen: Ist Geschlecht tatsächlich k/eine universale Kategorie, die global und historisch betrachtet, alle Gesellschaften in ähnlicher Weise strukturiert(e)? Welche theoretischen Ansätze und Befunde ermöglichen es, Geschlecht und Sexualität als hochkomplexe Phänomene zu begreifen, die durch kulturelle, soziale, ökonomische und politische (Herrschafts-)Prozesse – vor allem auch neo-/koloniale Praktiken und Diskurse – produziert und aufrechterhalten werden? Inwieweit waren historische Prozesse des (kolonialen) ‚othering‘ konstitutiv für moderne Vorstellungen ‚bürgerlich-weißer‘ Geschlechter- und Sexualitätsvorstellungen?Inwieweit gilt es daher Geschlechter und Sexualität immer als rassialisierte/rassifizierende Konzepte sowie umgekehrt Rassekonstruktionen als sexualisierte und vergeschlechtlichte Phänomene in den Blick zu nehmen? Auf der Basis von feministischen, queeren, post- und dekolonialen Ansätzen und Theorien werden in der Lehrveranstaltung Geschlecht, Sexualität und Geschlechterverhältnisse daher im Kontext ihrer rassifizierten und kolonialen Geschichte(n), Bedeutungen und Herrschaftszusammenhänge analysiert.

LVs der Kritischen Uni im WiSe 2014

(Zeiten und Orte im LV-Verzeichnis der Universität Innsbruck, werden teilweise noch aktualisiert. Nicht-Studierende sind auch ohne vorige Anmeldung über LFU:online willkommen.)

Aktuelle Probleme der Kritik der Politischen Ökonomie

(Elmar Flatschart)

Probleme aus dem Feld der Kritik der Politischen Ökonomie in Anschluss an Karl Marx‘ ökonomiekritisches Spätwerk haben in den letzten Jahren eine umfassende akademische und außerakademische theoretische Diskussion erfahren. Insbesondere angesichts rezenter krisenhafter Entwicklungen im kapitalistischen Weltsystem hat diese zuerst oftmals eher philologische und/oder relativ abstrakte Diskussion auch eine ‚praktische‘ Wende erfahren: immer mehr Wissenschafter_innen entdecken den Gebrauchswert Marxscher Analysen für die Erforschung gegenwärtiger Transformationen im Wechselspiel von Politik und Ökonomie. Tatsächlich scheint das Potential der Kritik der Politischen Ökonomie gerade in jenen ‚makrotheoretischen‘ Feldern, in denen neoklassische und keynesianische Ansätze vielfach versagt haben, groß zu sein, da sie es besser bewerkstelligt, eine interdisziplinäre und (selbst-)kritische Perspektive zu ermöglichen. Doch viele dieser Wiederentdeckungen Marxscher Fragmente bauen nicht auf einer fundierten Rezeption des theoretischen Korpus von Marx und der folgenden kritischen Marxinterpretation auf, was zu teils problematischen Verkürzungen und Fehldeutungen führt. Im Seminar sollen deshalb einige zentrale Themenfelder der Kritik der Politischen Ökonomie problemorientiert verhandelt werden. Das Niveau und die Themenauswahl der Auseinandersetzung wird teilweise in Rücksprache mit den Studierenden festgelegt werden.

Islamische Geschichte: Religiöse Spaltungen, Literatur, Sufismus und Fundamentalismus

(Mostafa Vaziri)

Ziel der Lehrveranstaltung ist, die historische Entwicklung dieser Strömungen vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert im Nahen Osten und teilweise in Nordafrika darzulegen, zu analysieren und zu diskutieren.

Die Lehrveranstaltung beschäftigt sich mit dem Ursprung der islamischen Religion im siebenten Jahrhundert. Untersucht und diskutiert werden die Spaltungen im religiösen Bereich (Schiismus und Sunnismus) und das Entstehen verschiedener Kalifate und Dynastien  in islamischen Gesellschaften. Die Entwicklung von Literatur, Sufismus, Wissenschaft und Kultur weist philosophische, aber auch fundamentalistische Dimensionen auf. Diese Themen  werden ausführlich erörtert.
(Unterrichtssprache: Englisch und Deutsch.)

Subjekt – Körper – Kunst

(Judith Klemenc)

Das Seminar dient zum Erwerb von Schlüssel- und Kernkompetenzen, von Kunst aus die Interdependenz von Subjekt – Körper – Kunst zu erforschen,umvon diesem Hintergrund aus, das UnBestimmbare und Namenlose als konstitutiv für Welt- und Selbsttransformationen zu erachten.

Kunst hat mit dem Namenlosen und mit Körper zu tun, stellt normative Subjektkonstruktionen in Frage und in Hinsicht darauf aktivieren künstlerische Prozesse mögliche Subjektformationen, die tradierte Welt- und Selbstverhältnisse verunsichern. Wir werden diese Verunsicherung durch eine diversifizierte Versammlung künstlerischer Praktiken anregen, die der Vielfalt der Perspektiven – zwischen – Performance, Fotografie, Grafik, Literatur, sowie dem Gestalten von Ausstellungen – Rechnung tragend, der Interdependenz von Subjekt – Körper – Kunst zu erforschen.

Das Seminar ist in drei Blöcke gegliedert:

●     Theorie/Reflexion,

●     Kunst/Prozess und

●     Ausstellung/Dokumentation.

Die drei Blöcke greifen stark ineinander über und ermöglichen es, neue und andere Figuren des Welt- und Selbstverhältnisses hervorzubringen, die mannigfaltige, einander ergänzende aber auch kontroverse und beunruhigende Deutungen eröffnen.

Gesellschaft – Bildung – Protest. 5 Jahre unibrennt – studentischer Protest in Zeiten der Instrumentalisierung von Bildung

(Martin Haselwanter)

Ziel der Lehrveranstaltung ist das Erlangen der Erkenntnis einer grundlegenden Verbindung von gesellschaftlichen Verhältnissen, Bildungsvorgängen und Protestbewegungen. Anhand der Betrachtung der sich im Herbst 2009 konstituierenden, studentischen unibrennt-Bewegung wird dabei verdeutlicht, wie sich dieses Wechselverhältnis in der Praxis zeigt. Konkret wird auf zentrale Elemente der unibrennt-Aktionen eingegangen sowie die Frage beantwortet, inwieweit auch gegenwärtig Gründe für Protest vorhanden sind.

Das Seminar ist in drei, dialektisch miteinander in Verbindung stehende Blöcken unterteilt. Im ersten wird anhand der gemeinsamen Lektüre klassischer Texte (Humboldt, Marx, Liebknecht etc.) die Verbindung von Gesellschaft, Bildung und Protest diskutiert. Anschließend wird im Rahmen des zweiten Teils auf Ursachen, Forderungen und zentrale Charakteristika der unibrennt-Bewegung eingegangen. Abschließend wird im dritten Abschnitt auf studentischen Aktionismus nach dem Ende der Bewegung sowie auf (potentiell) aktuelle Protestideen rekurriert.

LVs der Kritischen Uni im SoSe 2013

(Zeiten und Orte im LV-Verzeichnis der Universität Innsbruck. Nicht-Studierende sind auch ohne vorige Anmeldung über LFU:online willkommen.)

Intersektionalität in den kritischen Human-Animal Studies. Mensch-Tier-Verhältnisse im Kontext von zwischenmenschlichen Gesellschaftsverhältnissen

(Andre Gamerschlag, Hannover)

In diesem Seminar werden das Paradigma Intersektionalität und das Forschungsfeld Human‐
Animal Studies vorgestellt. Anschließend soll vermittelt werden, auf welche vielfältigen Weisen
Mensch‐Tier‐Verhältnisse mit Prinzipien wie Kapitalismus oder Phänomenen wie Rassismus und
Sexismus verbunden und daher auch für menschenbezogene Forschung relevant sind.

Der aus dem black feminism und den gender studies stammende Begriff „Intersektionalität“
wurde als Metapher für die Dreifachbenachteiligung schwarzer Frauen durch Rassismus, Sexismus
und Klassismus geschaffen, beschreibt inzwischen aber allgemein Forschungen, die mehrere Formen sozialer Ungleichheit und kultureller Differenz in Zusammenhang zueinander analysieren. Etwa die Frage, wie Rassismus und Sexismus sich gegenseitig begünstigen können und miteinander in Verbindung stehen. Die Human‐Animal Studies sind ein im deutschsprachigen Raum junges Forschungsfeld, welches sich überwiegend mit kulturellen und sozialen Aspekten von – eigentlich als biologisch angesehenen – Mensch‐Tier‐Verhältnissen befasst. Kritische HAS sehen Mensch‐Tier‐Verhältnisse als gesellschaftliche Gewalt‐ und Ausbeutungsverhältnisse an und wollen diese hin zur Gewaltfreiheit verändern.

Im Seminar soll eine intersektionelle Perspektive auf Mensch‐Tier‐Verhältnisse eingenommen werden, um Verbindungspunkte zu anderen Formen von Ungleichheit und Differenz auszuloten: Wie begünstigt Speziesismus (Artchauvinismus) auch Rassismus und Sexismus? Was hat intrahumane Gewalt mit Tierausbeutung zu tun? Was hat Fleischkonsum mit der Konstruktion von Männlichkeit zu tun? Wie ist Tierausbeutung im Kapitalismus eingebettet und warum wird sie deshalb zusätzlich verfestigt? Welche Mechanismen sind allen Formen der Benachteiligung und Diskriminierung gemeinsam – auch der gegenüber andere Arten? Wo überschneiden sich soziale Bewegungen in ihren Befreiungsbestrebungen?

Das Seminar ist in drei Teile gegliedert. Teil I bildet eine Einführung in HAS und Intersektionalität. Teil II ist eine Einführung in intersektionelle HAS. Teil III behandelt einzelne Beispiele für Intersektionen: Kapitalistische Mensch‐Tier‐Verhältnisse, Intersektionen durch sozialkonstruktivistische und dekonstruktivistische Perspektiven, Gender Studies und HAS, Rassismusforschung und HAS. Die Inhalte werden möglichst einfach vermittelt. Vorwissen ist zwar hilfreich, jedoch nicht notwendig. Interesse an gesellschaftlichen Fragestellungen, aktive Teilnahme und Teilnahme an der Auftaktveranstaltung werden vorausgesetzt. Der Seminarreader wird über Olat zu Semesterbeginn zur Verfügung gestellt.

Kapitalismuskritik im 21. Jahrhundert – Einführung in die Kritik der Politischen Ökonomie

(Elmar Flatschart, Wien)

Allgemein‐didaktisches Ziel der LV ist es, den Studierenden die Arbeit mit inhaltlich anspruchsvollen Texten näherzubringen. Die Auseinandersetzung mit dem Thema verfolgt überdies das ideengeschichtliche Ziel einer rekonstruktiven Annäherung an den ursprünglichen Korpus der Kritik der Politischen Ökonomie. Dabei soll inhaltlich auch aktueller Theorie‐ und Analysearbeit in jenem Feld zugearbeitet werden. Methodisches Ziel ist es, die selbstständige Aufarbeitung komplexer theoretischer Materialien in Kleingruppen zu üben.

Spätestens seit der sogenannten „Finanzkrise“ ist es wieder en vogue, über„Kapitalismuskritik“ zu sprechen. Sowohl der Feuilleton-Teil jeder besseren bürgerlichen Zeitung, als auch ein inzwischen beträchtliches Sammelsurium mehr oder (meistens) weniger qualitätsvoller „Sachbücher“ beschäftigt sich mit einschlägigen Abhandlungen zum Kapitalismus auf eine meist bestenfalls populärwissenschaftliche Weise. Vergessen ist, dass das Wort „Kapitalismus“ ungefähr seit dem Zusammenbruch des Realsozialismus und mindestens bis hinein in die 2000er Jahre kaum in den Mund genommen werden durfte, wollte sich ein/e AutorIn nicht vollständig diskreditieren. Ebenso bleibt unklar, was unter „Kapitalismus“ eigentlich zu verstehen ist, was wohl das größte Manko der gegenwärtigen Debatte bis hinein in die „Linke“ ist. Diese letzte Frage möglichst gründlich – das heißt vor allem: theoretisch versiert – zu beantworten ist Ziel der Lehrveranstaltung.

Von der Kunst, ein Bild zu betrachten, oder: Wozu und zu welchem Ende studiert man ein Fach der Geisteswissenschaften?

(Maximiliane Buchner, Innsbruck)

Ausgehend von kunsthistorischen Inhalten und Arbeitstechniken sollen grundsätzliche Überlegungen zu Ziel und Zweck kultureller Errungenschaften und der Beschäftigung damit angestellt werden. Ziel der Lehrveranstaltung ist es, ein interdisziplinär ausgerichtetes, geisteswissenschaftliches Selbstverständnis zu entwickeln. Der exponierten, performativen Sprache zur Überwindung der „Grenzen unserer Welt“ soll dabei besondere Aufmerksamkeit zukommen.

Das Fach Kunstgeschichte beobachtet, untersucht und hinterfragt die Entwicklung unserer westlichen Kultur und öffnet als Vehikel der Geisteswissenschaften den Blick in höhere Ebenen des Daseins, die den Alltag des Menschen sublimieren und ihn die Bedeutung der Dinge jenseits des unbedingt Notwendigen erahnen lassen. Über die Sprache lassen sich diese Inhalte transportieren und das Gebaute, Gemalte, Geformte begreifbar werden.
Ausgehend von diesen beiden Grundelementen des kulturellen Bewusstseins – der Kunst und der Sprache – soll eine interdisziplinäre Auseinandersetzung mit den Grundsätzen geisteswissenschaftlichen Denkens erfolgen. Dabei sollen Artefakte verschiedener Epochen im Kontext ihrer Entstehungszeit betrachtet und mithilfe des Transportmittels Sprache vermittelt werden.

Anmeldungen & Plenum

Das neue Semester steht ja vor der Türe und das erste Seminar der Kritischen Uni („Widerstandsrecht, Solidarität, Utopie: Perspektiven der neueren Protestbewegungen“, Schönherr-Mann Hans-Martin) beginnt schon mit nächstem Mittwoch. Das heisst die entsprechende Anmeldefrist für dieses Seminar läuft nur mehr bis 30.9. und wir wollen nochmal ganz speziell drauf aufmerksam machen.

Bis auf das Seminar „Commons als politische Strategie und wissenschaftliches Analyseinstrument“ (Kratzwald Brigitte) sieht es auch mit Anmeldungen schon sehr gut aus – da man sich aber immer bis knapp vor dem Beginn der Seminare anmelden kann ist es hier noch nicht so eilig.

Es gibt auch schon einen Termin für das erste Plenum, wo alle an der Kritischen Uni Interessierten eingeladen sind, und zwar:
> Montag, 1.10., ab 19:00 im Geiwimax
(für alle die etwas putzmotiviert sind, treffen wir usn schon um 18h und richten den Raum etwas fürs neue Semester her)

Guten Start ins WS 2012/13!

Initiativen im WS 2012/13 außerhalb Innsbrucks

Auch in Wien, Klagenfurt und Bremen gibt es ähnliche Initiativen, die hier kurz vorgestellt werden sollen:

LVs der Kritischen Uni im WS 2012/13

(Zeiten und Orte im LV-Verzeichnis der Universität Innsbruck. Nicht-Studierende sind auch ohne vorige Anmeldung über LFU:online willkommen.)

Geschlecht und Ethnizität im visuellen Feld – künstlerische Praktiken und ästhetische Strategien gegen Stereotypisierung

Ana Hoffner (Wien)

Im Seminar sollen Darstellungen von vergeschlechtlichter und ethnisierter Andersartigkeit in den Medien untersucht werden, um herauszufinden, welche Effekte durch visuelle und diskursive Repräsentationen erzeugt werden, d.h. wie Geschlecht und Ethnizität mit Hilfe medialer Darstellungen konstruiert und in Herrschaftsverhältnisse eingebettet werden. Es sollen jene Repräsentationen in Frage gestellt werden, die Stereotypisierung herstellen, indem ihr Aufbau und ihre Wirkungsweise analysiert werden und auf ihre historischen Wurzeln und die damit verbundene Kontinuität der Kategorisierung und Klassifizierung von Subjekten verwiesen wird. Auf welche tradierten Vorstellungen und Bilder wird in heutigen Migrationsgesellschaften zurückgegriffen, um Geschlecht bzw. Ethnizität als different zu markieren? Wie werden rassistische, sexistische und homophobe Zuschreibungen, die beispielsweise aus orientalistischen Konstruktionen des Ostens oder der Rassentheorie des Nationalsozialismus stammen, heute noch wirksam? Wie wird durch diese Markierung von Differenz Männlichkeit bzw. Whiteness unsichtbar gemacht und Herrschaft stabilisiert?

Während des Seminars sollen feministische, queere und anti-rassistische künstlerische Praktiken und ästhetische Strategien diskutiert werden, die von der feministischen Mediennutzung der 70er Jahre im Expanded Cinema, Body Art und Performance über queere Politiken der 90er Jahre bis hin zu zeitgenössischen ästhetischen Praktiken queer-feministischer Migrant_innen reichen. Wie können bestehende Repräsentationsformen unterlaufen werden? Welche Möglichkeiten stehen Marginalisierten zur Verfügung, um über eigene Repräsentationen zu entscheiden? Welche ästhetischen Formen werden dafür genutzt?

Commons als politische Strategie und wissenschaftliches Analyseinstrument

Brigitte Kratzwald (Graz)

Seit einigen Jahren ist der Begriff „Commons“ in aller Munde. In den unterschiedlichsten Wissenschaftsbereichen ebenso wie den sozialen Bewegungen und Medien verwendet, scheint er wenig konkret und schwer fassbar. In der LV sollen die rechtliche, die institutionelle, die ökonomische und die politische Dimension der Commons ebenso wie verschiedene Anwendungsbereiche und die Verwendungsmöglichkeiten des Konzeptes als Analyseinstrument für kollektive soziale Praktiken erarbeitet werden. Außerdem wird das emanzipatorische Potenzial der Commons und auch die Gefahr ihrer Vereinnahmung diskutiert.

Buch zum Seminar: Helfrich, Silke / Heinrich Böll Stiftung (2012): Commons. Für einen neue Politik jenseits von Markt und Staat. Transcript Verlag.

Ablauf und Inhalte als PDF

Widerstandsrecht, Solidarität, Utopie: Perspektiven der neueren Protestbewegungen

Hans-Martin Schönherr-Mann (Wien)

Einerseits wird das Seminar den Aktivitäten der neueren, aber auch den früheren Protestbewegungen nachgehen, etwa des letzten halben Jahrhunderts. Dabei wird ein besonderes Augenmerk darauf gelegt, welche Formen von Protest und Widerstand dabei stattfanden, welche ethischen Orientierungen die Protestierenden haben und welche Rolle das utopische Denken dabei spielt. Andererseits wird historisch als auch systematisch in die drei Problemfelder des Widerstandsrecht, von Solidarität und Verantwortung und des utopischen Denkens eingeführt, so dass ein doppelter Vergleich der neueren Protestbewegungen möglich wird, erstens mit älteren, zweitens mit der Ideengeschichte und Diskursanalyse.

Stadtschreibwerkstatt – journalistische Stadtaneignung und BürgerInnenjournalimus

Andreas Wiesinger (Innsbruck)

Eine demokratisierte Medienwelt setzt voraus, dass wir alle Knotenpunkte der Kommunikation sind, die nicht nur konsumieren, sondern selbst Inhalte gestalten und Meinungen und Standpunkte formulieren, statt nur auf gegebene Information zurückzugreifen. Thematischer Kontext soll dabei das kulturelle und politische Geschehen in Innsbruck sein, welches kritisch analysiert, kommentiert oder parodiert werden kann. Wir wollen uns also mit unserem gemeinsamen gesellschaftlichem Umfeld auseinandersetzen und zusammen Themen diskutieren und journalistische Beiträge gestalten.

(Ausführlichere Beschreibungen und Literatur in unserem Programmheft und im LV-Verzeichnis. Und es gibt auch ein Plakat für Propagandezwecke.)

Welcome Plenum am 29. Mai

Liebe enagierte, kritische, kreative, hinterfragende Menschen,

falls es euch auch deprimiert, dass Institute nur mehr die
allernötigsten Lehrveranstaltungen anbieten, deren Themen sich nur am
„Mainstream“ orientieren und kein Platz mehr für kritische, kreative
und interaktive Lehrveranstaltungen bleibt, und wenn ihr etwas dagegen
tun wollt, dann wären wir höchst erfreut, euch bei der Kritischen Uni
begrüßen zu dürfen.

Beste Gelegenheit dazu wäre unser *Welcome Plenum* am *29. Mai*, bei dem
wir gemeinsam das nächste Semester planen wollen.

Die Kritische Uni ist eine von #unibrennt ins Leben gerufene Initiative,
wo Studierende selbst nach eigenen Interessen und Prioritäten kritische
Lehrveranstaltungen (in Form vom Vorträgen, Vorlesungen, Seminaren,
Workshops, etc.) organisieren, und für die es schlussendlich auch Noten,
Scheine und ECTS gibt. Dazu brauchen wir engagierte Menschen, Ideen,
Austausch, sprich wir brauchen euch!

Wir freuen, erwarten und grüßen,
das Kritische Uni-Team

*Kritische Uni – Welcome Plenum – 29. Mai, 20:00 – im geiwimax
(Studiraum an der Geiwi, gleich neben dem alten Haupteingang)*

www.kritischeuni.at – kritischeuni@sowimax.at

Gastvortrag M. Markard: „Wie emanzipatorisch kann/sollte Psychologie sein?“

„Wie emanzipatorisch kann/sollte Psychologie sein?“
Ansätze der Kritischen Psychologie

Prof. Dr. Morus Markard

(Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie der FU Berlin,
Arbeitsbereich Subjektforschung und Kritische Psychologie)

Moderation: Prof. Dr. Wolfgang G. Weber

Donnerstag 03. Mai, 18.00 Uhr
Hörsaal 5
Innrain 52, Hörsaaltrakt

Institut für Psychologie sowie Fachgebiet Angewandte Psychologie in Zusammenarbeit mit der Kritischen Uni.
Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!

Lehrveranstaltungen der Kritischen Uni im SS 2012

(Zeiten und Orte im LV-Verzeichnis der Universität Innsbruck. Nicht-Studierende sind auch ohne vorige Anmeldung über LFU:online willkommen.)

Seminar “Politisches Theater performen!”

Nicolas Dabelstein (Autor & Regisseur, Innsbruck)

Zum Vortragenden:
2002 Gründung und Leitung der freien Theatergruppe „theater turbine“ in Wien.
2000-2006 Regiearbeiten in der Arena, Volkstheater, dieTheater Künstlerhaus, Schauspielhaus und Theater Drachengasse in Wien.
Seit 2006 freier Autor und Regisseur u.a. für den ORF, 3Sat, Arte, Dokumentarfilmmacher, zuletzt 2009 „Wer hat Angst vor Wilhelm Reich?“, Drehbuchautor.
Seit 2009 Lehrer für szenischen und künstlerischen Unterricht an der Schauspielschule Innsbruck, Regiearbeiten in Innsbruck u.a. am Tiroler Landestheater, Tiroler Dramatikerfestival und bei „theater trifft“.

Inhalt:
Im Workshop “Politisches Theater performen!” werden wir uns mit der Theorie und Praxis der Geschichte des deutschsprachigen politischen Theaters von Erwin Piscator bis Rene Pollesch auseinandersetzen. Das Ziel dieser Lehrveranstaltung ist jedoch dies nicht nur geisteswissenschaftlich-intellektuell, sondern auch kreativ-sinnlich zu tun und beide Aspekte zu vereinen. Das heißt, dass sich die Studierenden von den recherchierten Themata zu theoretischen Vorträgen einerseits und dann in weiterer Folge zu künstlerischen Performances inspirieren lassen. Diese werden unter der Anleitung des LV-Leiters zu einer einzigen Abschlussperformance verschmolzen, die am Ende des Semesters an der Universität aufgeführt werden soll.

Seminar ““Schönheit fördert das Wachstum von Humanität“ (Friedrich Schiller) – Vom Nutzen der Schönheit”

Petra Kofler (Innsbruck)

Inhalt:
Schönheit und Nützlichkeit – ein Widerspruch? Ist es überhaupt sinnvoll, sich in Zeiten einer Wirtschaftskrise mit dem Thema Schönheit auseinanderzusetzen und dann auch noch nach dem Nutzen von Schönheit zu fragen? In einer Zeit, wo die Ratio stark überbewertet wird, die Aufgaben stark zweckgewidmet sind und sich alles rechnen und schließlich evaluieren lassen muss? Schönheit lässt sich nicht evaluieren, liegt sie doch meist im Auge des Betrachters/der Betrachterin. Zudem erfordert sie Zeit und Muße mit dem Ergebnis, emotional zu berühren. Worin liegt das Geheimnis von Schönheit? Ist Schönheit reine Geschmacksache? Ist sie überhaupt notwendig und nicht unnötiger Luxus?
In diesem Seminar wollen wir uns dem Geheimnis Schönheit annähern, und zwar dem Schönen in der Natur, in der Kunst und dem Schönheitshandeln – “sich schön machen” – von Frauen und Männern im Hinblick auf Nutzen und Einfluss in unserer Gesellschaft.

Seminar “Konzepte und Forschungsergebnisse der Kritischen Psychologie”

Sabine Gamper und Sebastian Roth (Innsbruck)

Inhalt:
Das Seminar soll Raum zur aktiven Auseinandersetzung mit Denkweise und Grundbegriffen der Kritischen Psychologie (im Sinne Holzkamps) geben. Die Kritische Psychologie entwickelte sich ausgehend von der Wissenschaftskritik der StudentenInnnenbewegung zu einer Gesellschafts- und Psychologiekritik im weitesten Sinne. Sie distanziert sich beispielsweise von der experimentellen psychologischen Forschung und entwickelt einen alternativen methodischen und wissenstheoretischen Ansatz. Der Mensch wird in der Kritischen Psychologie nicht als isoliertes Individuum betrachtet, sondern in seiner gesamtgesellschaftlichen Verwobenheit. Es geht darum Menschen (im Forschungsprozess) nicht wie Objekte zu behandeln, die durch Umwelt- und genetische Faktoren determiniert sind. Stattdessen werden Menschen als begründet handelnde Subjekte gesehen – als MitforscherInnen – die in der Lage sind, sich ihrer Umwelt nicht nur anzupassen, sondern diese zu verändern.

Seminar “kritisches Gewebe knoten”

Judith Klemenc (Innsbruck)

Inhalt:
Wir werden uns nicht nur mit der Frage: „Was ist Kritik?“  auseinandersetzen, sondern uns vor allem der Frage als politisches, soziales und personales Subjekt stellen. Wir werden uns ihr aussetzen, uns darin dezentrieren, verschieben, so dass Variationen von Subjektfigurationen mehrwertige Handlungsperspektiven eröffnen. Wir werden kreative und partizipative Entfaltungen spinnen und ein kritisches Gewebe knoten, so dass sich mannigfaltige Bewegungsmöglichkeiten in vielseitigen Richtungen eröffnen. Wir werden Stränge der Prozesserhaltung und Prozessumformung verweben um so in einer vielleicht auch reflexiven Anerkennung des Anderen als Andere von uns ein kritisches Gewebe mit einer Solidarität verknoten, die in Prozessen der Desubjektivierung zu kritischen Handlungsweisen ermutigen.

Seminar “Politische Philosophietheorien”

Tilo Schabert (München)

(entfällt leider)

Seminar “Sozialer Widerstand. Die Kulturen von sozialen Bewegungen.”

Sandra Schildhauer, Andrea Umhauer

Inhalt:
Innerhalb des Seminars werden verschiedene Aspekte sozialen Widerstands analysiert und diskutiert. In Augenschein genommen werden die gesellschaftliche Verortung bestimmter Bewegungen, ihre Formen und Inhalte ebenso wie ihre Bedeutung für eine kritische Gesellschaftstheorie.
Verschiedene Formen politischer Repression und gesetzlicher Verschärfungen bringen Menschen auf die Straße, um sich für die Ziele einer politischen Zivilgesellschaft einzusetzen und gegebene Machtverhältnisse zu verschieben. Protestformen in Entstehung und Entwicklung, wie etwa ihre politische Vereinnahmung und Militarisierung, werden ins Blickfeld gerückt. Anhand von Beispielen werden auf theoretischer Ebene die Möglichkeiten sozialen Widerstands als kritische Praxis der Negativität durchleuchtet. Themenschwerpunkte sind die politische Einordnung der #unibrennt Bewegung in Österreich, eine kritische Diskussion über Basisdemokratie und gruppendynamische Prozesse und eine Analyse des Einsatzes verschiedener Kommunikationskanäle innerhalb der Bewegung. Des Weiteren lassen sich anhand der Tierrechtsprozesse die Kriminalisierung von Protest und die staatliche Repression gegenüber politischen Aktivist*innen aufzeigen. Als dritter thematischer Block wird die Bedeutung des zapatistischen Aufstands in Mexiko als Teil eines weltweiten Strebens nach Verschiebung von Machtverhältnissen hinzugezogen.
Interessenschwerpunkt können während des Semesters festgelegt, ergänzt etc. werden.


Vortrag “Vorratsdatenspeicherung – Notwendiges Ermittlungswerkzeug oder Symptom eines repressiven Staates?”

Clemens Lassnig
Donnerstag 19.4., 19:00 in Geiwi HS 2

Inhalt:
Mit 1. April 2012 wird Österreich die Vorratsdatenspeicherung einführen und man implementiert damit eine sehr umstrittene Methode mit dem Ziel der Gefahrenprävention. Von ihren BefürworterInnen wird sie als unumgänglich bezeichnet, KritikerInnen hingegen sehen darin eine Verletzung der Grundrechte und einen Schritt zum Überwachungsstaat. Der Vortrag soll allen Interessierten einen Überblick über die verschiedenen Aspekte dieses Themas geben, das einerseits medial unterrepräsentiert aber andererseits in Hinblick auf den Schutz der Privatsphäre von äußerster Wichtigkeit ist.

Viel Spaß mit dem Angebot der Kritischen Uni im SS 2012!